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Weibliche Köche und die Michelin-Sterne

Weniger als 3 % – das ist der aktuelle Frauenanteil unter den Michelin-Sterne-Köchen. Die gute Nachricht? Mithilfe des neuen Michelin-Guide-Managements entwickelt sich die Haute Cuisine in Richtung Geschlechtergerechtigkeit.

„Mehr Brüderlichkeit als Gleichheit“ – so schrieb die New York Times über die französische Ausgabe des Guide Michelin 2018, nachdem sie herausgefunden hatte, wie wenig Aufmerksamkeit man darin den Frauen schenkte. Von 57 mit Sternen ausgezeichneten Restaurants hatten gerade einmal zwei eine Chefköchin. Und in beiden Fällen teilten sie sich die Auszeichnung auch noch mit ihrem männlichen Partner.

Angeregt vom aktuellen „MeToo“-Hashtag machte #MichelinToo auf Twitter die Runde und auf den Umgang mit Frauen in der Welt der Starköche aufmerksam. Nicht nur in Frankreich, wo die Tradition des Le Guide Michelin ihren Ursprung hat. In der Tat werden weltweit nur 2,7 % der mit einem Michelin-Stern ausgezeichneten Restaurants von Köchinnen geführt.

In den USA zum Beispiel gab es unter den Köchen von 166 Restaurants mit Michelin-Sternen im vergangenen Jahr nur 20 Frauen. In Spanien lag das Verhältnis bei 19 von 195. Italien war das einzige Land, das mit einer Quote von 44 von 365 seine weiblichen Köche noch am ehesten würdigte.

Gleicht der Guide Michelin einer Burschenschaft?

Traditionell übernehmen Frauen die Rolle der häuslichen Köchin, während das Kochen als Broterwerb (Achtung Wortwitz) eher die Sache der Männer ist. Ebenso sind die meisten Journalisten in Kochzeitschriften weiblich, während ein Großteil der Restaurantkritiker männlich ist. Wir können nur vermuten, dass dies auch für die Michelin-Kritiker gilt, deren Identitäten jedoch geheim gehalten werden.

Ist die Michelin-Welt wirklich eine Burschenschaft, ein Männerclub? „Das Geschlecht spielt für uns keine Rolle“, betonte Michael Ellis, internationaler Direktor des Guide Michelin, als er im letzten Jahr mit der AFP sprach. „Unsere Prüfer sind dazu da, die Qualität der Küche zu bewerten. Wir achten nicht auf das Geschlecht, die Herkunft oder das Alter des Kochs.“

Doppelt so gut wie ein Mann

Einige mögen nun argumentieren, dass die geringe Zahl der ausgezeichneten Frauen zeigt, wie wenig weibliche Köche es tatsächlich gibt. Maria Canabal, Gründerin des Parabere Forum, weiß, dass dies nicht der Fall ist: Allein im Forum sind 5.000 weibliche Köche vertreten. Die Dokumentarfi lmerin Vérane Frédiani beschloss, eine eigene Liste mit hochkarätigen Küchenchefi nnen in Frankreich zusammenzustellen. 2018 bestand diese Liste aus rund 200 Namen.

Das bedeutet nicht unbedingt, dass die Haute Cuisine frauenfreundlicher wird. Der Weg zum Starkoch ist immer lang und steinig, aber Frauen beschreiben, dass sie mit zusätzlichen Schwierigkeiten zu kämpfen haben. „In der Küche muss eine Frau immer beweisen, dass sie doppelt so gut ist wie ein Mann“, erklärt Kwen Liew aus dem Restaurant Pertinence, die 2018 zusammen mit ihrem Partner Ryunosuke Naito ihren ersten Stern erhielt.

Weibliches Talent gibt es überall

Weibliche Köche berichten auch, dass man sie mit Adjektiven wie „schwach“ und „ungeschickt“ titulierte oder ihnen direkt vorwarf, sie seien „zu nichts zu gebrauchen“. Frédiani jedoch sieht dank des größeren Kampfes für die Gleichstellung der Geschlechter eine bessere Zukunft für Köchinnen. Und auch umgekehrt gilt: „Wenn wir das Problem in der Gastronomie lösen, wird es vielen Frauen in allen Bereichen helfen.“

Auch die französische Ausgabe des Guide Michelin hat inzwischen einen Schritt nach vorn unternommen. Unter der Leitung des neuen internationalen Direktors Gwendal Poullennec wurde 2019 eine beispiellose Anzahl von Restaurants mit weiblichen Chefköchen ausgezeichnet. Von den 75 neuen Küchen, die einen Stern erhielten, werden 11 von Frauen geführt. Die Prüfer hatten keine „Quotenvorgaben“. Sie wurden lediglich ermutigt, bei der Auswahl der Köche auf mehr Vielfalt zu achten.

Mit diesem Ansatz könnten Frauen auf der ganzen Welt inspiriert werden, glaubt Frédiani. „Indem wir Frauen zeigen, dass es weibliche Küchenchefs gibt“, erklärt sie, „bin ich überzeugt, dass wir sie motivieren können, sich etwas zuzutrauen, an ihren Träumen zu arbeiten.“ Das gilt natürlich nicht nur für die Haute Cuisine. Jede Frau sollte die Möglichkeit bekommen, mit ihrem Talent zu glänzen. Scheuen Sie sich nicht, Ihr Talent zu zeigen – trauen Sie sich!