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Warum haben Frauen in der Musikbranche weniger Erfolg?

Die Muse Euterpé bringt auch im 21. Jahrhundert den Frauen nicht besonders viel Glück. Tun wir genug dafür, die Diskriminierung in der Musikindustrie abzuschaffen?

Keine Zweifel: Frauen ist es gelungen, sich in den letzten hundert Jahren auf verschiedenen Gebieten durchzusetzen. Frauen dürfen wählen, haben eine ganze Reihe von sozioökonomischen Barrieren durchbrochen und feiern Erfolge auf Gebieten, die noch vor kurzer Zeit ausschließlich von Männern dominiert wurden. Damen führen Nationen und leiten Regierungen, managen internationale Korporationen und einige haben es bis auf die Liste der mächtigsten Menschen der Welt geschafft. Doch bis heute treffen wir in vielen Bereichen auf Gender-Unebenheiten und Sexismus. Ein Bereich ist gerade die Musikbranche.

Lassen wir die Zahlen sprechen

Die britische PRS Foundation hat herausgefunden, dass 78 % aller Frauen, die an ihrer Studie teilnahmen, in der Musikbranche irgendeine Form von Sexismus erlebt haben. Zugleich ergab die Forschung, dass Frauen im Bereich der Textautoren und Komponisten nur mit 16 % vertreten sind, und Männer die gesamte Branche dominieren. Das ist in ganz Europa so.

Weltweit liegt das Verhältnis von Männern zu Frauen in der Musikbranche bei 70:30. In Australien wurde vor Kurzem eine Studie zur Musikindustrie mit dem Namen „Skipping a beat: Assessing the State of Gender Equality“ veröffentlicht. Diese Studie ergibt, dass Frauen nur ein Fünftel der Textautoren und Komponisten darstellen, die bei der „Australian Performing Rights Association“ registriert sind. Und auch dort ist keine einzige Frau im Vorstand vertreten! Und das, obwohl Frauen 50 % der Musikstudenten und 45 % der qualifizierten Mitarbeiter bilden. Um dem Ganzen die Krone aufzusetzen, sind Musikerinnen in Rundfunkstationen unterrepräsentiert und verdienen sogar weniger als ihre männlichen Kollegen.

Schärfer als alle Männer zusammen

So könnten wir immer weiter machen, doch warum? In der Musikbranche herrscht große Ungerechtigkeit zwischen Frauen und Männern. Die gesamte Industrie wird von Männern kontrolliert, und solange sich nichts ändert, werden Frauen weiterhin sexualisiert, unterschätzt und unterbewertet. Die, die sich entscheiden, gegen diese Ungerechtigkeit zu kämpfen, müssen eiserne Geduld und Nerven aus Stahl mitbringen. Und oft auch einen guten Anwalt, wie die USHornistin Abbie Conant, die 13 Jahre lang für das gleiche Gehalt in der britischen Philharmonie gekämpft hat und einen Rechtsstreit führte. Für diesen Kampf musste sie sich einer Reihe von Untersuchungen unterziehen, in denen ihre Lungenkapazität, ihre Muskulatur sowie die Fähigkeit ihres Körpers, Sauerstoff zu verarbeiten, gemessen wurden, um dies mit dem männlichen Organismus zu vergleichen. Im Jahr 1993 hat ein Gericht entschieden, dass es sich im Fall von Abbie Conant um Diskriminierung handelt. Daraufhin hat sie die Philharmonie demonstrativ verlassen und wurde durch einen 20jährigen Musiker ohne Erfahrung ersetzt.

Die Zeiten ändern sich. Langsam, aber stetig

Die gute Nachricht ist, dass sich die Tatsachen langsam, aber sicher ändern, seitdem über die Problematik mehr und mehr gesprochen wird. Zum Beispie hat Festival Republic in Leeds, UK, ein ReBalance-Projekt gestartet. Das Ziel der Initiative ist es, mehr Frauen auf die Festival-Line-ups zu bringen, und wurde als eine Reaktion auf die Beschwerden über weniger Gelegenheiten für Performerinnen und Musikerinnen erstellt.

The Huffington Post hat geschrieben, dass auf 12 großen Festivals im vergangenen Jahr Frauen bloß 12 % des Programminhalts gebildet haben, obwohl das Verhältnis von Männern und Frauen bei den Festivalbesuchern 50:50 war. Die nächste Schwalbe stellt die Australasian Performing Right Association Limited (APRA) dar, die welche letztes Jahr ihre Anforderungen auf 40 % Anteil an Frauen in den Musikprogrammen, Performances und Evaluierungspanels angekündigt hat. Dies sind zwar fabelhafte Nachrichten und Schritte in die richtige Richtung, um den Sexismus im Nachhinein in der ganzen Industrie auszulöschen. Den Frauen, die davon betroffen sind, wollen wir Mut eingießen und deren Courage hervorheben – die Courage, zu sprechen, sich nicht abschütteln zu lassen und für ihre Rechte zu kämpfen. Eine Sache ist es, über die Misogynie zu lesen, und es ist eine andere, mit ihr auf täglicher Basis zu kämpfen. Wenn sie ihre eigenen Geschichten mit anderen teilen und die Frauen in ihrer Umgebung unterstützen, helfen sie uns allen zu Gleichgerechtigkeit. Sprechen sie sich aus.

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