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Mädchen in der Pubertät verlieren die Lust am Sport

Die Zeiten ändern sich und der Sport auch. Die Teilnahme von Mädchen und Frauen am Sport wächst auf allen Ebenen – vom Freizeitsport bis hin zum olympischen Sport – und die Gesellschaft akzeptiert Frauen als Athletinnen mehr als je zuvor. Dennoch gibt es gerade im Sport in Sachen Gleichstellung der Geschlechter einiges nachzuholen. Mädchen geben nämlich in der Adoleszenz sechsmal häufiger das aktive Training auf, als Jungen.

Mädchen widmen sich allgemein weniger sportlichen Aktivitäten, wenn sie in die Pubertät eintreten. Schlimmer ist allerdings, dass sie viel häufiger den Sportplatz gegen das Sofa eintauschen, was das Risiko von Adipositas und damit zusammenhängenden Gesundheitsproblemen erhöht. Die Statistiken sind beunruhigend. In den Abiturjahrgängen widmet sich lediglich ein Viertel der Mädchen regelmäßig dem Sport, bei den Jungen ist dies mehr als die Hälfte. Und nur ein Fünftel der Mädchen widmet sich täglich irgendwelchen körperlichen Aktivitäten. Warum erlischt auf dem Gipfel der Pubertät so schnell ihr Interesse an gesunder Bewegung, gerade dann, wenn sie am wichtigsten ist? Das hat gleich mehrere Gründe.

Ich bin nicht gut genug

Ein Grund dafür mag sein, dass pubertäre Mädchen Kooperation für wichtiger halten, als Wettbewerbsfähigkeit. Der mit der Pubertät verbundene höhere Östrogenspiegel bewirkt einen Gefühlswechsel – weg vom Wettbewerbsgeist und hin zu Beziehungen und zur Zusammenarbeit, dank dessen verlassen die Mädchen das kompetitive Milieu des Sportes. Außerdem belegen die Studien, dass die Mädchen in der Pubertät eine Selbstvertrauenskrise durchmachen. Was häufig dazu führt, dass sie den Sport sausen lassen, dem sie sich bis dahin gewidmet haben, weil sie glauben, einfach nicht gut genug zu sein.

Trainer oder Tyrann?


Einer der elf Gründe, die eine heute schon klassischen Studie aus dem Jahre 1988 anführt, warum Mädchen in der Pubertät Schluss mit dem Sport machen, ist ein schlechter Trainer. Dieser platzierte sich auf einem unschönen vierten Rang im Ranking der Schwierigkeiten. Auf dem neunten Rang thront wiederum der Umstand, dass der Trainer seine Günstlinge bevorteilt. Trainer, die die Mädchen anschreien, sie beschimpfen oder gar erniedrigen, machen eine beliebte sportliche Aktivität rasch zur reinen Tortur und so sehen die Mädchen häufig keinen anderen Ausweg, als die sportlichen Laufbahn aufzugeben.

Frauen haben keine Muskeln!


Im Unterbewusstsein adoleszenter Mädchen herrscht allgemein der Gedanke vor, Sport sei keine ausreichend „weibliche Aktivität“. Leider. Highschool-Mädchen, die Roselind Wiseman für ihr Buch „Queen Bees and Wannabes“ befragte, führten an, ein Mädchen sei nur dann „in“, wenn es einen femininen Körper und keine männliche Statur habe, die völlig inakzeptabel sei.

Du gehörst in die Küche

Nicht zuletzt spielt die Tatsache eine Rolle, dass Mädchen in Sachen Sport kaum Unterstützung von der Familie erhalten. Denn die Familie ist der Ort, der den Mädchen vermittelt, worin ihre Geschlechterrolle besteht und wo ihr Platz ist. Und auch im 21. Jahrhundert fördern die Familien – häufig unbewusst – eine ganze Reihe von Geschlechterstereotypen. Einschließlich dessen, dass die Mädchen im Gegensatz zu den Jungs nicht auf den Sportplatz gehören, weil sportliche Aktivitäten für sie nicht so wichtig sind wie für Jungs.

Soll sich diese unliebsame Denkweise wandeln, muss sich vor allem die gesellschaftliche Grundhaltung gegenüber Sport treibenden Mädchen ändern. Man muss ihnen geeignete Vorbilder und den Raum dafür geben, sich nicht nur in typisch weiblichen Aktivitäten zu realisieren. Ihnen die Freude an gesunder Bewegung zurückvermitteln und sie darin unterstützen, sich dem zu widmen, was ihnen Spaß macht. Egal, ob Sticken oder Weitsprung.