:beyli

Der Preis für Mutterfreuden. Warum geht arbeitenden Müttern die Luft aus?

Mutterschaft und Beruf unter einen Hut zu bringen wird anscheinend immer schwieriger. Obwohl lediglich 2 % der Frauen planen, ihren Arbeitsplatz aufzugeben und sich voll und ganz ihrem Kind zu widmen, kehren in Wirklichkeit nur 57 % an diesen zurück. Was hat sich geändert?

Die im Juni vergangenen Jahres vom amerikanischen National Bureau of Economic Research veröffentlichte Studie zeigt auf, dass die Mutterschaft im Laufe der 90er Jahre zur Wissenschaft geworden ist. Das Elternsein wurde auf einmal viel komplizierter als früher, als die Kinder im Prinzip nur gefüttert und gekleidet wurden. Heutigen Eltern kosten ihre Kinder entschieden mehr Zeit und Geld. Und die Mütter sehen sich einem viel größeren Druck ausgesetzt, was das Stillen, die Entwicklung der Fähigkeiten ihrer Kinder und deren ständige Beaufsichtigung betrifft.

Ausbalancieren von Prioritäten

Resultat dieser gesellschaftlichen Tendenz ist die Tatsache, dass viele Frauen den Preis unterschätzen, den sie für ihre Mutterschaft zu zahlen haben. Laut den Autorinnen dieser Analyse sind Frauen mit Hochschulbildung, die in ihre Ausbildung investiert haben, um sich gezielt eine Karriere aufzubauen, am stärksten betroffen. Was folgt, ist der Spagat zwischen Kind und Arbeit, beim verzweifelten Versuch, ihre Lebensziele zu erreichen. Häufig sind sie dann erschöpft und vermissen zudem ausreichende Unterstützung ihrer Umgebung.

Die professionelle Mutter

Tatsache ist, dass die vorangegangene Generation nicht mit solch einem Druck beim Balanceakt zwischen Familien- und Berufsleben konfrontiert war, andererseits auch kaum um solch eine Harmonie bemüht war. „Die Welt rings um die Kinder strotzt regelrecht von Anleitungen, was der mentalen oder emotionellen Entwicklung des Kinder zuträglich ist und was nicht“, meint Judith Suissa, Mitautorin des Buches The Claims of Parenting. „Eine der Auswirkungen dieser Überzeugungskunst ist der Eindruck der Eltern, dass sie ohne neuste wissenschaftliche Erkenntnisse kaum gute Eltern sein können“, fügt sie hinzu. Diese wissenschaftliche Disziplin zu meistern und dabei die eigene Karriere nicht aus den Augen zu verlieren, gelingt den heutigen Müttern der Generation Y nur sehr schwer.

In der Männerwelt

Auch die Ansprüche der Arbeitgeber steigen ständig. Eine Frau, die an den Arbeitsplatz zurückkehrt, nachdem ihr Kind das Schulalter erreicht hat, möchte natürlich nicht alle vierzehn Tage für zwei Wochen auf Dienstreise geschickt werden oder jeden zweiten Tag an einem Arbeitsdinner teilnehmen. Sie möchte die Zeit mit ihrem Kind verbringen. Und ruhig nachts arbeiten, wenn nötig. Aber in der Männerwelt, wo sich das Wichtigste fürs Geschäftsleben häufig gerade in der Zeit abspielt, in der das Kind gebadet und in den Schlaf gelullt werden will, interessiert das kaum jemanden. Dies bestätigt auch Frida Anderson, eine frühere Managerin in einem multinationalen Unternehmen: „Es reicht nicht, clever und effektiv zu sein. Es geht darum, im Blickpunkt zu stehen und Beziehungen zu knüpfen. Der Firma hundertprozentig zur Verfügung zu stehen. Und das ist für eine Mutter schlicht unmöglich“.

Genauso wie im Weißen Haus

Auch Anna–Marie Slaughter, eine Frau, die nach zwei Jahren ihre erträumte und hart erkämpfte Position im Weißen Haus aufgab, um sich ihren beiden heranwachsenden Söhnen widmen zu können, weiß ein Lied davon zu singen. Ihren „Schritt zurück“, für den sie sich die Kritik vieler Feministinnen einhandelte, kommentierte sie mit den Worten: „Man kann nicht alles haben und diejenigen, die behaupten, dies sei möglich, verzerren die Realität. „Während sie selbst in Washington in der Obama-Verwaltung tätig war, verfloss unwiederbringlich die Kindheit ihrer Söhne in Kalifornien. Wie bringt man nur alles in Einklang, ohne dabei seine Bildung wegzuwerfen und als Halbtags-Putzfrau zu arbeiten?

Problem ja – Norm nein

Wenn sich etwas ändern soll, muss dies von oben kommen. Und zwar von Frauen. Von Frauen in höheren Positionen, die bereit sind, Müttern mit kleineren Kindern Arbeit zu geben, auch eingedenk der Tatsache, dass sie sie nicht übers Wochenende irgendwohin schicken können, um beim After Work Golf geschäftliche Kontakte zu pflegen. Aber auch von Frauen, die beim Versuch ihr professionelles Potenzial auszuschöpfen, immer wieder auf diskriminierende Hürden stoßen. Denn wenn man aufhört über Probleme zu sprechen, werden sie zur unumstößlichen Norm, die keiner mehr in Frage stellt.